"De Fischer ut Grambek"
Hamburger Abendblatt von Karin Lubowski am 28. November 2005


Bio-Karpfen: Michael Bothstede ist der einzige Züchter in Norddeutschland. Einmal in der Woche verkauft er seine Fische im Hofladen in Grambek und gibt Zubereitungstips.

Grambek. Bei Michael Bothstede hat die Hochsaison begonnen. Er ist der einzig verbliebene Fischzüchter im Kreis Herzogtum Lauenburg und der einzige Bio-Karpfenzüchter im norddeutschen Raum. "De Fischer ut Grambek" verkauft seine Tiere - neben Karpfen hauptsächlich Schleie und Hechte - im eigenen Hofladen. Einmal die Woche wird im Erlenrauch geräuchert. Außer Tips für passende Weine gibt der 46jährige auch gerne Ratschläge für die beste Art der Fischzubereitung.

"Auf keinen Fall den Karpfengeschmack mit Essig ersäufen!" warnt er. "Das ist ein Fehler, der den armen Tieren bei vielen Menschen so einen schlechten Ruf verschafft hat. Um den Karpfen blau zu kriegen, genügt ein Teelöffel voll Essig im Wasser."

Daß Karpfen eine fettige Angelegenheit ist und wahlweise fade oder moderig schmeckt, weist Bothstede für seine Fische zurück. "Die haben nur Muskeln", sagt er verschmitzt. "Na ja, fast nur. Die suchen sich nämlich ihr Futter selbst, die wachsen langsam."

Kalte Jahreszeit ist Karpfenzeit. "Auch so ein Vorurteil, aber was soll man machen", seufzt Bothstede. Karpfen, sagt er, schmeckt auch im Sommer. Er selber mag ihn am liebsten so: In bratfertige Stücke zerlegt, gesalzen, gepfeffert, mit Zitrone beträufelt, in Mehl gewälzt und dann mit Bedacht goldbraun gebraten, was aber nur dann gutgehe, wenn die Tiere ausreichend festes Fleisch haben. Dazu Bratkartoffeln und Gurkensalat. Und welchen Wein trinkt er dazu? "Ich? Ich trinke nur Pilsener. Aber gut schmeckt ein Silvaner zum Karpfen."

Bothstede ist ein Genießer. Er sei Fischer mit Leib und Seele, sagt der gelernte Forstwirt und Fischwirtschaftsmeister. Seit 1989 hat er die Teiche gepachtet, aus denen er schon als Junge "Beute gemacht" hat. Wie lange er ökologisch arbeitet? "Schon immer." Er war 2002 der erste mit einem von Bioland zertifizierten Fischzuchtbetrieb.

Die Fläche, die Bothstede zu bewirtschaften hat, ist gewaltig - und mittendrin steht ein feuerroter Bagger. "Die Leute denken, ich bin Fischer. Aber die Hälfte meiner Zeit verbringe ich auf dem Räumgerät", sagt er. Damit bearbeitet er die Böden der regelmäßig trockenliegenden Teiche. Seine Fische sind meistenteils "Selbstversorger", die Gewässer müssen ausreichend Nahrung hergeben. Dafür brauchen sie ausreichend Sauerstoff.

Bis auf die gleichmäßig rechteckigen Teichformen erinnert auf dem Gelände wenig an einen Betrieb. Es ist ein beeindruckender Teil des Naturparks Lauenburgische Seen. Hier tummeln sich Amphibien in unerhörter Vielfalt: Laubfrösche, Rotbauchunken, Eidechsen, Sumpfschildkröten. Hier leben auch Rothalstaucher und Eisvögel, Schwäne sowieso.

Über Grau- und Silberreiher kann Bothstede sich dagegen gar nicht freuen. Und beim Anblick der überall auffliegenden Kormorane wird er regelrecht garstig. "Die holen mir 80 bis 90 Prozent aller Jungfische aus dem Wasser. Tiere bis zu 600 Gramm werden im Stück verschluckt, größere einfach zerhackt." Er hat zwar eine Abschußlizenz, aber "das Geballere ist schrecklich und nutzt wenig", sagt er. Eine Alternative - Netze über den Teichen - ist teuer und kostet ausschließlich sein Geld. Die Kormorane seien schuld daran, daß er seinen Betrieb verkleinern mußte und nun auch keine jungen Leute mehr ausbilden kann.

Bothstede ist einer, den die Wut kreativ macht. Er zeigt auf einen trockengelegten Teich, in dessen Uferbereich ein gefällter Baum liegt. "Hierher können sich die Fische flüchten, wenn der Kormoran hinter ihnen her ist." Andernorts experimentiert er mit Unterwasser-Zäunen. "Die Fische können durch die Maschen von einer Abteilung in die nächste. Die Kormorane nicht." Bei allem Zorn auf die schwarzen Vögel denkt Bothstede nach vorn. Neu in seinem Sortiment sind Bio-Taschenkrebse, die ersten Deutschlands. Und er versucht Bio-Forellen zu züchten. Allein schon, weil die ganzjährig gefragt sind.

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