Glückliche Karpfen aus Grambek (Artikel vom 27.12.2002)

Quelle: dpa


«Schmecken die Karpfen denn jetzt anders», fragt eine etwas misstrauische Kundin in der roten Scheune mitten in Grambek, in der Karpfen, Schleie und Welse in großen Bottichen auf Käufer warten. «Ja und nein», antwortet Bothstede. «Weil unsere Karpfen langsam wachsen und in erster Linie das fressen, was in den Teichen wächst, schmecken sie würziger, als Karpfen aus konventioneller Zucht. Aber weil wir schon seit vielen Jahren nach ökologischen Kriterien arbeiten, schmecken unsere Karpfen nicht erst seit heute so», erklärt Bothstede. Der Beitritt zum Bioland-Verband im Sommer 2001 sei deshalb nur der konsequente Schritt in Richtung ökologischer Fischzucht gewesen, sagt er.

44 Teiche bewirtschaftet der 43 Jahre alte Fischwirt in der Grambeker Heide, einem idyllischen Fleckchen im Naturpark Lauenburgische Seen. Jagdhündin «Tinka» ist immer dabei, wenn Bothstede seine Runden durch die Anlage dreht, um die Kormorane in Schach zu halten. Die haben es vor allem auf die Jungfische abgesehen, die Bothstede hier züchtet. «Anders als viele andere Betriebe züchten wir unsere Setzfische selbst, denn nur dann sind wir sicher, dass sie nicht mit Hormonen oder Tierarzneien in Berührung gekommen sind», sagt Bothstede.

Das Futter für die Fische liefert die Natur in erster Linie selbst. In dem nährstoffreichen Wasser wachsen Schnecken, Würmer, Pflanzen und Mikroorganismen, gelegentlich wird mit Gründünger nachgeholfen. Als Zufutter verwendet der Bio-Fischwirt Getreideschrot aus biologischem Anbau. Nur in milden Wintern, wenn sie aus der Winterstarre erwachen, gibt es für Bothstedes Karpfen ausnahmsweise ein Fertigfutter, das Fischmehl enthält. «Das ist durchaus artgerecht, denn Karpfen sind von Natur aus Allesfresser», betont er.

Glücklich sind in Grambek nicht nur die Karpfen, die zusammen mit Hechten, Welsen und Schleien gehalten werden. In den Schilfzonen der Teiche finden Rohrsänger und Amphibien Brut- und Rückzugsgebiete, Eisvögel und Adler gehen hier gerne auf die Jagd. Nur auf die Kormorane ist Bothstede nicht gut zu sprechen. Die verletzten bei der Jagd mehr Fische, als sie erbeuteten, und durch ihre große Zahl würden sie für Teichwirte zum Problem, sagt er.

6,30 Euro kostet ein Kilo Karpfen aus ökologischer Zucht im Direktverkauf. «Im vergangenen Jahr, noch ohne Bioland-Siegel, kostete das Kilo Karpfen bei uns 12 DM. Hochwertige Nahrungsmittel sollen kein Privileg für Wohlhabende sein», sagt Bothstede.



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