Preisverdächtig: Karpfen mit Biosiegel

Artikel in den Lübecker Nachrichten / Lauenburgische Nachrichten
von Florian Grombein am 13. Sept. 2011

Der Biofisch aus Grambek hat bei Experten der Landwirtschaft bundesweit Beachtung gefunden. Jetzt geht es um den Förderpreis.

GRAMBEK Grambek – Zuchtkarpfen leben in Grambek wie im Paradies. Ohne Hormone, ohne Chemie und in einer natürlichen Umgebung dürfen sie mindestens vier Jahre wachsen, bevor sie auf dem Teller landen. Deshalb hat Fischzüchter Michael Bothstede große Chancen darauf, den hoch dotierten Förderpreis Ökologische Landwirtschaft von Bundesministerin Ilse Aigner überreicht zu bekommen. Sein Betrieb gehört laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zu den besten Ökobetrieben in ganz Deutschland. Jetzt hat die Jury die Zucht besucht, um sich von der Qualität der Fische und deren Haltung zu überzeugen. Im Januar wird der Gewinner auf der Grünen Woche in Berlin verkündet.

„Der Betrieb in Grambek ist unter die sechs besten Ökobetriebe in Deutschland gekommen, die sich für den Förderpreis beworben haben“, erklärt Dipl. -Ing. Andreas Eckhardt von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn. Insgesamt hätten sich in diesem Jahr 69 Betriebe beworben. In der Endrunde sind nun zwei in Bayern, zwei in Baden-Württemberg, einer in Sachsen und besagter Betrieb in Grambek.

Die Besonderheiten dort sind offensichtlich. Wie in allen andern Bio-Fischteichen ernähren sich die Tiere bei Michael Bothstede zu zwei Dritteln von Mikro- und Makroplankton. Das muss der Fischwirt heranzüchten, hegen und Pflegen. Fettes und eiweißreiches Futter wie in der konventionellen Fischzucht ist verboten. Der Rest aber wird bei Bothstede nicht durch teures Biogetreide besorgt. Er hat eine ganz neue Entdeckung gemacht: „Wir benutzen Bioschrot und -bruchgetreide, also praktisch Ernteabfall vom Lämmerhof in Panten“, erklärt der 52-Jährige. Das spart Kosten und hat sogar die Universität in Kiel auf den Plan gerufen. In sechs Netzen im gleichen Teich wird für einen bestimmten Versuchszeitraum die eine Fischgruppe mit Getreide, die andere mit Bruch gefüttert.

„Außerdem bauen wir derzeit an der größten Fischteichanlage in ganz Deutschland, die mit Netzen überspannt ist“, wirbt Bothstede weiter für sein Konzept. Das wurde nötig, weil die gefräßigen Kormorane die Zucht vor vier Jahren quasi lahm legten. „Die Vögel haben 99 Prozent meiner Fische gefressen und sich wahnsinnig vermehrt“, erklärt er. 30 Hektar groß ist die Fläche südlich von Mölln, 45 Fischteiche bewirtschaftet der Grambeker. Drei Hektar davon sind bereits jetzt mit Netzen gegen Fischräuber geschützt, im nächsten Jahr sollen es sechs Hektar sein.

Bothstede macht seit elf Jahren in Fischzucht. Die Karpfen werden in der Saison an Ort und Stelle vermarktet. Im kommenden Jahr will er wieder richtig durchstarten. Bevor die Netzte gespannt waren, fuhr der Betrieb wegen der gefräßigen Kormorane auf Sparflamme. In den besten Zeiten wurden in Grambek allerdings zwischen zehn und 15 Tonnen Fisch pro Jahr verkauft.

Bothstede vermarktet seine Karpfen unter dem Biolandsiegel. Dass sein Biokonzept so erfolgreich ist, liegt daran, dass mehr als 80 Prozent der verzehrten Fische in Deutschland importiert werden. Die Masse davon kommt aus Aquakulturhaltung in Südostasien. „Die Leute vertrauen den Produkten, die aus ihrer Region kommen“, sagt er. Nur 20 andere Biolandwirte im Fischgeschäft gibt es bundesweit. Vor elf Jahren war der Grambeker der Pionier der Bio-Fischzucht.

„Ich zittere jetzt schon und hoffe, dass wir gewinnen“, sagt der Grambeker. Vor acht Jahren bereits hat der Betrieb einen Preis gewonnen. Damals war es der „Pro-Tier-Förderpreis“, der von Johannes Rau verliehen wurde. Der Preis war mit 2000 Euro dotiert. Die ersten drei Gewinner des Förderpreises Ökologische Landwirtschaft bekommen sogar 7500 Euro. Preis hin oder her: „Unsere Fische schmecken einfach besser“, sagt er. Das liege daran, dass konventionelle Karpfenzüchter beim Großhändlern nach Kilogramm bezahlt würden. Unmengen von fetthaltigem Futter werde an sie verfüttert.

„Karpfen haben nicht umsonst das fettige und modrige Image“, berichtet der 52-Jährige. Der Fisch müsse sich in den bis zu 500 Hektar großen Zuchtbetrieben kaum noch bewegen, um an das Futter zu kommen. Das setze Fett an. Fische leben beim Fischzüchter in Grambek wie in der freien Natur: Keine Chemie, keine Hormone, kein Kunstdünger kommen in ihr Wasser. Vor Kormoranen müssen sich die Fische anscheinend auch nicht mehr fürchten – was für ein Leben? „Ein Schwein lebt durchschnittlich ein Jahr, bevor es geschlachtet wird“, gibt Bothstede zu bedenken. Ein Karpfen genießt mindestens vier Jahre in seinem Fischparadies, bevor er auf dem Teller der Kunden landet.



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