Allianz für Tiere überreicht Förderpreis
Pressemitteilung des Bundesverband Verbraucherzentralen am 23.09.2003
Bundespräsident lobt Vorbilder für artgerechte Tierhaltung


Die Allianz für Tiere in der Landwirtschaft vergibt heute zum ersten Mal den Pro Tier-Förderpreis für artgerechte Nutztierhaltung. Mit dem Förderpreis werden ökologische und konventionelle Betriebe in Deutschland prämiert, die Vorbild sind bei der Haltung, Zucht und Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere. Zu den Gewinnern zählen zwei ökologisch wirtschaftende Familienbetriebe in Baden-Württemberg, ein konventioneller Neuland-Betrieb aus Niedersachen sowie ein ökologischer Fischzuchtbetrieb in Schleswig-Holstein.
Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und wird bei einem Festakt auf dem Hof des 1. Preisträger in Aalen-Westhausen überreicht.

Bundespräsident Johannes Rau schrieb in einem Grußwort, dass die Preisverleihung ein Zeichen setze für die artgerechte Tierhaltung und die Verbraucher darauf aufmerksam mache, dass nicht nur der Gesetzgeber beim Tierschutz gefragt sei: Beim Einkauf von Lebensmitteln könnten alle etwas dafür tun, dass Tiere artgerecht gehalten werden. "Der Preis darf nicht das einzig entscheidende Kriterium sein", so der Bundespräsident.
Die Mitglieder der Allianz für Tiere in der Landwirtschaft gratulieren den Preisträgern zu ihrem vorbildlichen Umgang mit Tieren. Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Schweisfurth-Stiftung: "Das Tier achten heißt, es artgerecht zu halten. Bei den Preisträgern sehen wir Formen eines besonders verantwortlichen Umgangs mit Nutztieren. Beispiele, die Schule machen sollen. Wo Zucht, Mast, Schlachtung und Vertrieb zumeist in der Region vonstatten gehen, kann sich eine würdige Form der Kulturtechnik Tierhaltung entfalten."

Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes (DTB): "Die Träger des Pro Tier-Förderpreises nehmen die Grundbedürfnisse der so genannten Nutztiere ernst: In den großzügig bemessenen Ställen und Außengehegen können sich die Tiere frei bewegen und ihrem Bewegungsbedürfnis nachkommen. In die Ställe fällt Tageslicht. Sie sind gut strukturiert und bieten den Tieren artgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten. Zur artgerechten Haltung gehört auch, dass die Tiere in Gruppen zusammenleben. Außerdem verwenden die Preisträger nur Futter ohne Leistungsbeschleuniger und ersparen den Tieren den leidvollen und quälenden Transport zu weit entfernt liegenden Schlachthöfen."

Prof. Dr. Edda Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): "Eine große Mehrheit der Verbraucher will, dass Tiere in der Landwirtschaft artgerecht gehalten werden. Dennoch steigt die Nachfrage nach billigen Lebensmitteln aus dem Supermarkt. Wenn sich daran etwas ändern soll, müssen Verbraucher besser nachvollziehen können, aus welcher Tierhaltungsform ein Produkt stammt. Transparente Erzeugung, regionale Vermarktung und eine verbindliche Kennzeichnung fördern daher die Akzeptanz und die Nachfrage nach artgerechter Erzeugung."

Dr. Angelika Zahrnt, Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): "Tier- und Umweltschutz gehören zusammen, das zeigen die ausgezeichneten Betriebe. Sie schonen den Boden, indem sie nur so viele Tiere halten, wie ihre Betriebsfläche an Dünger verträgt. Sie schützen das Klima, weil sie lange Transporte vermeiden. Ihre Futtermittel stammen aus eigener oder heimischer Produktion."

Insgesamt haben sich nach bundesweiter Ausschreibung 80 Betriebe beworben, aus denen eine unabhängige Fachjury vier Preisträger ausgesucht hat: Der 1. Preis (4.000 Euro) geht an den DEMETER-Hof der Familie Schmid im baden-württembergischen Westhausen (bei Aalen) für seine besonders tiergerechte ökologische Geflügelhaltung. Der zweite Preis zu je 2.000 Euro wird an drei Betriebe vergeben: an den konventionell wirtschaftenden, auf tiergerechte Schweinehaltung spezialisierten NEULAND-Betrieb der Familie Duensing-Knop in Rodewald (Niedersachsen); an den DEMETER-Betrieb der Familie Till aus Schluchsee im Schwarzwald (Baden-Württemberg), die einen tiergerechten Milchviehlaufstall führt und sich für den Erhalt einer vom Ausssterben bedrohten Rinderrasse einsetzt; sowie an die in Schleswig-Holstein gelegene Teichwirtschaft Grambek der Familie Bothstede, den ersten von BIOLAND zertifizierten Fischzucht-Betrieb in Deutschland.

"Die Wirklichkeit in der Tierhaltung verändert sich am besten durch ganz praktische Beispiele", meint Bundespräsident Rau im Vorfeld der Preisverleihung. "Es wäre aber gut, wenn auch die traditionellen landwirtschaftlichen Betriebe naturnäher, umwelt- und tiergerechter wirtschafteten", so Rau.

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