Luftkampf überm Karpfenteich
Zeo2 von Katja Trippel und Florian Möllers am 6.Feb.2010


Scharfe Geschosse richten gegen hungrige Kormorane wenig aus – darüber sind sich Teichwirte und Vogelfreunde inzwischen einig. Gemeinsam fordern sie neue Konzepte zum Zusammenleben von Fisch, Vogel und Angler.

Schleswig Holstein, Naturpark Lauenburgische Seenplatte. In schönster norddeutscher Idylle umarmt tiefgrüner Wald die Teichlandschaft von Grambek: 32 Hektar mit 44 Fischteichen. Seit 1989 ist Michael Bothstede »De Fischer ut Grambek«. 2001 bekam er als erster Karpfenzüchter Deutschlands das Bioland-Zertifikat. Wer den 50-Jährigen heute an seinen Teichen sucht, sollte allerdings nicht im Wasser nach Fischnetz und Wathose, sondern an Land nach einem knallroten Bagger Ausschau halten. Denn Bothstede baut um. Er verwandelt die offenen, rund 5000 Quadratmeter großen Wasserflächen in »Fort Knox«, wie er sagt. Schaufelt die Teichränder fest, rammt alle 15 Meter einen Stahlpfosten in die Erde, zieht Maschendraht herum, spannt Drahtseile darüber und zuletzt ein schwarzes Netz. Rombische Maschen, hängendes System, unverwüstbar. Ein Pionier-Projekt. Eine Heidenarbeit. »Doch anders«, sagt der Biofischer, »ist der Kampf nicht zu gewinnen.« Der Kampf gegen Phalacrocorax carbo sinensis: den schwarz-metallisch schimmernden Kormoran. Ein perfekter Fischjäger, der Dank seiner Ruderfüße und dem wasserdurchlässigen Gefieder wie ein Pfeil durchs Wasser jagt, alleine oder im Trupp. Mit seinem spitzen Hakenschnabel schnappt er nach seiner Beute, taucht auf, und schluckt sie mit einem Happs hinunter. 500 Gramm Fisch pro Tag. Das entspricht rund 20 Prozent seines Körpergewichts – nicht mehr als bei Eisvogel, Reiher oder Fischadler. Nur: Der Kormoran ist inzwischen wesentlich zahlreicher.

1982 hatte das erste Kormoran-Brutpaar den Plöner See südlich von Lübeck wieder für sich entdeckt. Seit diesem Jahr stieg der Bestand der geschützten Vogelart rasant. Bothstedes Bio-Karpfen – gefüttert nur mit Öko- Getreideschrot und dem, was die Natur ihnen bietet: Schnecken, Würmer, Wasserflöhe – waren für die Kormorane echte Leckerbissen und leichte Beute. Erst tauchten sie alleine, dann zu Dutzenden, schließlich zu Hunderten in die Zuchtteiche. 2005 musste der Fischer seinen Laden dichtmachen: Alle Jungfische waren aufgefressen oder verletzt, zerfetzt, kaputt. Besatz für 40.000 Euro – im Magen von Kormoranen.

(...)

zurück zu Medien

zurück zur Startseite